Hōjicha ist der ungewöhnlichste unter den japanischen Grüntees: Seine Blätter werden geröstet, bis sie braun werden und an Schwarztee erinnern. Das Ergebnis schmeckt mild, nussig und malzig statt grasig, enthält kaum Koffein und lässt sich selbst abends bedenkenlos trinken. Hier erfahren Sie, woher Hōjicha kommt, wie er hergestellt wird und wie Sie ihn richtig aufgießen.

Steckbrief
Pflanze/BasisCamellia sinensis, gerösteter Grüntee (meist aus Bancha oder Sencha)
Koffeingehaltsehr gering, ca. 7-20 mg pro Tasse
Geschmacksprofilmild, nussig, malzig, leicht karamellig, kaum Bitterkeit
Wassertemperatur90-100 °C
Ziehzeit30-60 Sekunden
Dosierung1 gehäufter EL (ca. 3 g) pro 250 ml
Aufgüsse2-3 Aufgüsse
Preisspanneca. 4-8 € pro 100 g

Herkunft: eine junge Idee aus Kyoto

Hōjicha hat eine erstaunlich junge Geschichte. Erst vor rund 100 Jahren kam in den 1920er-Jahren ein Teehändler aus Kyoto auf die Idee, überschüssigen grünen Tee zu rösten, statt ihn wegzuwerfen. Aus dieser Sparmaßnahme wurde eine eigenständige Spezialität.

Bis heute wird Hōjicha vor allem in der Region um Kyoto hergestellt. Als Ausgangsmaterial dient meist Bancha, gelegentlich auch Sencha. Grundsätzlich lässt sich Hōjicha überall dort produzieren, wo Grüntee wächst, doch er bleibt eine japanische Spezialität, wie sie auch unser Beitrag zur japanischen Teekultur einordnet.

Herstellung: Rösten statt Dämpfen

Wie jeder japanische Grüntee wird Hōjicha zunächst gedämpft, gerollt und getrocknet. Der entscheidende, ihn prägende Schritt kommt danach: Die Blätter werden bei hohen Temperaturen geröstet, bis sie eine gleichmäßig braune Farbe und ein nussiges Aroma annehmen.

Als Rohmaterial dienen oft Blätter minderer Qualität — besonders große oder spät im Jahr geerntete Blätter, die nach der Ernte aussortiert werden. Die Röstung baut einen Teil des Koffeins und der Gerbstoffe ab, weshalb Hōjicha so mild und bekömmlich ist. Diese Verarbeitung unterscheidet ihn grundlegend von ungerösteten, grasig schmeckenden Grüntees.

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Geschmack und Aussehen

Hōjicha hebt sich klar von anderen Grüntees ab. Seine braunen Blätter erinnern optisch eher an Schwarztee, und in der Tasse zeigt sich eine bernsteinfarbene bis rötlich-braune Flüssigkeit. Der Geschmack ist mild, nussig und malzig mit einer leicht karamelligen Note und kaum spürbarer Bitterkeit.

Gerade die Röstaromen machen ihn zu einem warmen, gemütlichen Tee, der auch Menschen anspricht, die mit der Grasigkeit klassischer Grüntees fremdeln. Wer einen ähnlich röstigen, aber andersartigen Charakter sucht, findet ihn im mit geröstetem Reis gemischten Genmaicha.

Inhaltsstoffe und geringer Koffeingehalt

Das auffälligste Merkmal von Hōjicha ist sein sehr geringer Koffeingehalt von nur etwa 7 bis 20 mg pro Tasse — ein Bruchteil dessen, was Sencha oder gar Kaffee liefern. Die hohen Rösttemperaturen bauen Koffein und einen Teil der Gerbstoffe ab.

Dadurch ist Hōjicha besonders bekömmlich und magenfreundlich. Er lässt sich spät am Abend trinken und eignet sich auch für Menschen, die auf Koffein empfindlich reagieren, von älteren Personen bis zu Kindern. Ansonsten enthält er die typischen Pflanzenstoffe des Grüntees. Wer Grüntee gezielt koffeinfrei sucht, findet weitere Wege in unserem Beitrag Grüner Tee ohne Koffein.

Zubereitung Schritt für Schritt

Anders als feine Grüntees verträgt Hōjicha heißes Wasser. Gehen Sie so vor: 1. Pro 250 ml einen gehäuften Esslöffel (rund 3 g) Hōjicha in die Kanne geben. 2. Wasser auf 90 bis 100 °C bringen. 3. Aufgießen und nur 30 bis 60 Sekunden ziehen lassen. 4. Sofort abgießen, um Bitterstoffe zu vermeiden.

Die Blätter lassen sich zwei- bis dreimal aufgießen, wobei der zweite Aufguss oft besonders rund schmeckt. Im Sommer schmeckt Hōjicha auch kalt: einfach abkühlen lassen und über Eis servieren. In japanischen Restaurants wird er gern als unkomplizierter Begleiter zum Essen gereicht, ähnlich wie der Sencha.

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Lagerung und Kauf

Bewahren Sie Hōjicha luftdicht, dunkel und trocken auf, abseits von Herd und stark riechenden Lebensmitteln. Da die Röstaromen mit der Zeit verfliegen, sollten Sie ihn innerhalb von etwa sechs bis zwölf Monaten aufbrauchen — angebrochene Packungen besser zügig.

Beim Kauf erkennen Sie gute Qualität an gleichmäßig braun gerösteten, nicht verkohlten Blättern und einem frischen, nussigen Duft. Übliche Preise liegen bei rund 4 bis 8 Euro pro 100 g. In unserer Verkostung überzeugte vor allem Hōjicha aus größeren Blattstücken mit klarer Karamellnote.

Häufige Fragen

Wie viel Koffein hat Hōjicha?
Sehr wenig: etwa 7 bis 20 mg pro Tasse. Die hohen Rösttemperaturen bauen einen Großteil des Koffeins ab, weshalb sich Hōjicha selbst abends und für koffeinempfindliche Menschen eignet.

Wie schmeckt Hōjicha?
Mild, nussig und malzig mit einer leicht karamelligen Note und kaum Bitterkeit. Durch die Röstung fehlt ihm die grasige Frische klassischer Grüntees, was ihn besonders zugänglich macht.

Wie bereitet man Hōjicha richtig zu?
Mit 90 bis 100 °C heißem Wasser aufgießen, etwa 3 g pro 250 ml verwenden und nur 30 bis 60 Sekunden ziehen lassen. Anders als feine Grüntees verträgt Hōjicha heißes Wasser gut.

Ist Hōjicha ein grüner Tee?
Ja. Trotz der braunen Blätter und des untypischen Geschmacks zählt Hōjicha zu den Grüntees, da er aus gedämpftem, nicht oxidiertem Grüntee hergestellt und erst danach geröstet wird.

Woraus wird Hōjicha gemacht?
Meist aus Bancha, seltener aus Sencha. Verwendet werden häufig große oder spät geerntete Blätter minderer Qualität, die nach der Ernte aussortiert und anschließend geröstet werden.

Gesundheitlicher Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und dem Genuss von Tee. Er stellt keine medizinische Beratung dar und ersetzt nicht den Rat einer Ärztin oder eines Arztes. Bei gesundheitlichen Beschwerden, in der Schwangerschaft, bei der Einnahme von Medikamenten oder vor der Anwendung von Heilkräutern halten Sie bitte ärztliche Rücksprache.

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André Schulze · Herausgeber Tee-Magazin.de

André Schulze betreibt das Tee-Magazin seit 2011 und verkostet, fotografiert und beschreibt Teesorten aus aller Welt. Jeder Beitrag wird redaktionell geprüft und regelmäßig aktualisiert — zuletzt am 11. Juni 2026.