Drei Theorien zum Oolong


Um die Entstehung des Oolong rankt sich ein ganz besonders bekannter Teemythos. Der in dem ein Teebauer von einer Schlange so sehr erschreckt wurde, dass er seine Ernte im Stich lies und erst Tage später wieder nach seinen Teeblättern sah. Dies ist jedoch längst nicht die einzige Legende, die über die Geburtsstunde des Oolong erzählt wird. Drei weitere sind ebenfalls sehr beliebt.

Drei Theorien zum Oolong

Eine davon geht davon aus, dass Oolong seinen Ursprung in der Songdynastie hatte. Die Herrscher dieser Zeit waren bekannt dafür, dass sie einerseits Künstler teilweise hart verfolgen liesen, andererseits aber auch Tee sehr schätzen und liebten. Allerdings nahmen sie sich auch dabei das Recht heraus, wenn, ihrer Meinung nach nötig, mit Gewalt die besten Sorten als sogenannten „Tribut-Tee“ einzufordern. In der Provinz Fujian wurde sogar ein eigener Teegarten für sie gegründet. Unter dem Namen Beiyuan war er 458 Jahre lang ein Garant für höchste Qualität. Ausschließlich zwei Familien arbeiteten dort. Sie nannten sich die Familie des Drachen und die Familie des Phönixes. Schnell erlangten sie landesweiten Ruhm. Ihr loser Tee bestand nicht nur aus recht langen, sondern auch aus sehr dunklen, schwarzen Blättern, was ihm den Namen „Schwarzer Drache“, also Oolong einbrachte. Während der Ming-Dynastie musste der Beiyuan-Teegarten zwar geschlossen werden, Oolong wurde jedoch weiterhin produziert.

Eine zweite Theorie geht davon aus, dass der Oolong einiges später, nämlich nicht bereits in der Song-, sondern erst in der Ming-Dynastie entwickelt wurde. Auch hier gilt Fujian als Ursprung, diesmal allerdings die Region um den Berg Wuyi. Angeblich soll der Oolong dort zum ersten Mal hergestellt worden sein. Zu dieser Version der Geschichte finden sich sogar zwei Gedichte aus der Qing-Dynastie, die alles zu bestätigen scheinen.

Ebenfalls in der Provinz Fujian liegt eine Grafschaft namens Anxi und dazu gibt es ebenfalls Legenden über die Entstehung des Oolong. Zum einen ist Anxi bis heute für seinen ganz speziellen Oolong berühmt und es gibt einiges, was dafür spricht, dass Anxi tatsächlich die Geburtsstätte des Oolong ist. Es gibt allerdings auch eine Geschichte, dass der Oolong nicht einfach von einem Teebauern entwickelt wurde. Der Legende nach lebte in Anxi ein recht dunkelhäutiger Jäger, der wegen seines Aussehens „schwarzer Drache“ gerufen wurde. Eines Tages hatte er bei der Jagd noch Tee in seiner Tasche. Während dessen wurde der Tee gequetscht und schien weiter zu oxidieren. Am Ende der Jagd war der Oolong geschaffen.

Legende oder Wahrheit?

Es gibt für jede dieser Theorien einiges was sowohl dafür, aber auch dagegen spricht. Und absolut zweifelsfrei wird man wohl auch keine Entstehungsgeschichte zum Oolong bestätigen oder widerlegen können. Dazu liegt einfach alles zu weit zurück, Unterlagen, falls überhaupt vorhanden, sind evtl. verloren gegangen und Zeitzeugen kann man schon lange nicht mehr befragen. Letzten Endes muss also wohl jeder selbst für sich entscheiden, welcher Legende zum Oolong er am meisten Glauben schenkt, oder welche einfach nur am wahrscheinlichsten, vielleicht sogar am wenigsten unglaubwürdig erscheint. Ein klares wahr oder unwahr, wird es jedenfalls nicht geben.

Fazit

Sicher ist es im ersten Moment unbefriedigend, wenn man sich daran macht, dem Ursprung einer Sache auf den Grund zu gehen, vielleicht sogar historische Dokumente dazu durchstöbert und dann doch keine eindeutige Antwort findet. Aber machen nicht gerade die zahlreichen Geheimnisse um die einzelnen Tees auch einen Großteil seines Reizes aus?

Tee ist weit mehr, als einfach nur ein Getränk. Tee ist auch immer etwas Mystisches, Spirituelles. Man kann sich ganz leicht in eine einfache Meditation versetzten, wenn man beim Genuss einer Tasse Tee über dessen Ursprung und Geschichte nachdenkt. Was hat es mit dem Namen auf sich, wie kam es wohl dazu, den Tee auf genau diese Art und Weise herzustellen? Alles Fragen, auf die es eben keine eindeutige Antwort gibt.

Wir streben in unserem Alltag meist so sehr nach Perfektion, dass es uns ganz besonders gut tun kann, wenn wir erkennen, dass es Dinge im Leben gibt, die eben einfach so sind, wie sie sind. Unvollkommen, unperfekt und keinesfalls eindeutig. Aber eben genau deshalb auch geheimnisvoll und absolut richtig, so wie sie sind. Wer weiß, wenn wir es schaffen, es zu akzeptieren, dass Tee gerade deshalb so wertvoll ist, weil er bis heute Geheimnisse bewahrt, dass Fragen nicht immer nur eine Antwort haben, dann schaffen wir es vielleicht auch, unser eigenes Defizit an Perfektion zu akzeptieren und anzunehmen.

 

Bildnachweis: Oolong ©Thinkstock: iStockphoto

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