Amyloidose ist eine seltene, aber ernste Erkrankungsgruppe, bei der sich fehlgefaltete Eiweiße in Organen ablagern und diese schädigen. Rund um grünen Tee und sein Polyphenol EGCG kursieren dazu Hoffnungen, die eine nüchterne Einordnung verdienen. Dieser Beitrag erklärt, was Amyloidose ist, was eine Heidelberger Studie untersuchte und warum die Erkrankung ausschließlich in ärztliche Hände gehört.
Was Amyloidose bedeutet
Bei einer Amyloidose lagern sich fehlgefaltete Proteine, sogenannte Amyloide, in Geweben und Organen ab. Je nach betroffener Stelle beeinträchtigt das die Funktion lebenswichtiger Organe. Häufig betroffen ist das Herz: Die Ablagerungen führen zu einer Verdickung der Herzwand, die den Herzmuskel versteift und seine Pumpleistung mindert.
Es handelt sich um eine ernste, oft fortschreitende Erkrankung mit sehr unterschiedlichem Verlauf. In der Regel werden Betroffene mit Chemotherapien und Medikamenten wie Kortison behandelt. Diagnose und Therapie erfordern spezialisiertes medizinisches Wissen und gehören ausschließlich in die Verantwortung erfahrener Ärztinnen und Ärzte. Wie heikel Gesundheitsthemen rund um Tee sind, zeigt auch Der ORAC-Wert.
Was die Forschung untersucht
In der Wissenschaft werden bestimmte Pflanzenstoffe aus grünem Tee untersucht, allen voran das Polyphenol EGCG (Epigallocatechingallat). Laborstudien hatten gezeigt, dass EGCG mit fehlgefalteten Eiweißen interagieren kann. Solche Beobachtungen waren der Ausgangspunkt für klinische Untersuchungen beim Menschen.
An der Universität Heidelberg wurde dazu eine einjährige Beobachtungsstudie durchgeführt, bei der Patienten mit kardialer Amyloidose teilnahmen. Im Mittelpunkt stand die Frage, welchen Einfluss die Catechine des grünen Tees auf den Krankheitsverlauf haben könnten. Wie verschiedene Sorten in ihrem Catechingehalt variieren, zeigt der Vergleich mit Matcha und Sencha.
Die Heidelberger Studie im Detail
An der Studie nahmen 14 Patienten teil, bei denen die Amyloidose bereits zu Schäden am Herzen geführt hatte. Um möglichst viele Catechine zu lösen, gossen sie ihren grünen Tee mit rund 100 °C heißem Wasser auf und ließen ihn fünf Minuten ziehen. Ein Jahr lang sollten sie täglich etwa zwei Liter trinken; alternativ war die Einnahme von Kapseln mit Grüntee-Extrakt mit identischer Catechinmenge möglich.
Nach einem Jahr verbesserten sich erwartungsgemäß die Blutfett- und Blutzuckerwerte. Spannender war der Effekt auf das Herz: In der Auswertung zeigte sich, dass die Verdickung der Herzwand nicht weiter zunahm und sich teils leicht zurückbildete. Dass solche Mengen ungewöhnlich hoch sind, vergleicht unser Beitrag Kaffee wirkt viel stärker als Tee beim Koffein.
Warum die Ergebnisse vorläufig sind
So bemerkenswert die Beobachtung ist, sie taugt nicht als Beweis. Mit nur 14 Teilnehmern und ohne Kontrollgruppe ist die Aussagekraft begrenzt. Die Forscher selbst betonten, dass die Ergebnisse durch größere, kontrollierte Studien abgesichert werden müssten, bevor sich daraus belastbare Empfehlungen ableiten lassen.
Vorläufige Ergebnisse sind keine Garantie. Aus frühen Untersuchungen lässt sich kein gesicherter Nutzen für Patientinnen und Patienten ableiten, solange weitere klinische Belege fehlen. Wie schnell aus Einzelbeobachtungen überzogene Schlagzeilen werden, zeigt unser Beitrag Grüner Tee: Allheilmittel oder nur ein Getränk?.
Wechselwirkungen ernst nehmen
Auch scheinbar harmlose Getränke können mit Medikamenten in Wechselwirkung treten. Gerade bei einer ernsten Erkrankung und einer laufenden Therapie ist das ein nicht zu unterschätzender Punkt. Zwei Liter grüner Tee täglich liefern zudem eine erhebliche Menge Koffein.
Deshalb gilt: Wer regelmäßig größere Mengen Tee trinken möchte und in Behandlung ist, sollte dies vorher mit dem behandelnden Arzt besprechen. Tee ersetzt keine Therapie, und falsche Hoffnungen auf vermeintliche Wundergetränke können dazu verleiten, eine notwendige Behandlung zu verzögern.
Tee als Genussmittel einordnen
Unabhängig von der Krankheit bleibt grüner Tee für viele ein geschätztes Alltagsgetränk. In üblichen Mengen genossen, schenkt er einen angenehmen, ruhigen Moment. In diesem Rahmen liegt sein Wert, ganz ohne medizinische Erwartungen.
Bei Amyloidose ist das ärztliche Gespräch durch nichts zu ersetzen. Nur dort lassen sich Diagnose, Verlauf und Behandlungsmöglichkeiten verlässlich einordnen. Verlässliche Auskünfte stammen von Ärzten, Kliniken und anerkannten Fachstellen, nicht aus werblichen Versprechen. Wer Quellen prüft und auf Belege achtet, schützt sich vor Enttäuschungen. Wie man Tee zum reinen Genuss zubereitet, zeigt unser Beitrag Teewasser muss kochen, oder doch nicht?.
Häufige Fragen
Kann grüner Tee Amyloidose heilen?
Nein. Grüner Tee ist ein Getränk und kein Heilmittel. Amyloidose ist eine ernste Erkrankung, die ausschließlich in ärztliche Behandlung gehört. Studienergebnisse zum EGCG sind bislang vorläufig.
Was zeigte die Heidelberger Grüntee-Studie?
In einer einjährigen Beobachtungsstudie mit 14 Herz-Amyloidose-Patienten, die täglich rund zwei Liter grünen Tee tranken, nahm die Verdickung der Herzwand nicht weiter zu und bildete sich teils leicht zurück. Wegen der kleinen Teilnehmerzahl ist die Aussagekraft begrenzt.
Warum sind die Ergebnisse nicht beweiskräftig?
Mit nur 14 Teilnehmern und ohne Kontrollgruppe lassen sich keine belastbaren Schlüsse ziehen. Die Forscher betonten, dass größere, kontrollierte Studien zur Absicherung nötig sind.
Ist es sicher, bei einer Behandlung viel grünen Tee zu trinken?
Tee kann mit Medikamenten in Wechselwirkung treten, und große Mengen liefern viel Koffein. Besprechen Sie regelmäßigen, hohen Konsum daher vorher mit Ihrem behandelnden Arzt.
Darf ich grünen Tee bei Amyloidose trinken?
In üblichen Mengen ist Tee ein Genussmittel. Individuelle Fragen, gerade während einer Therapie, klären Sie aber immer mit Ihrem Arzt.
Gesundheitlicher Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und dem Genuss von Tee. Er stellt keine medizinische Beratung dar und ersetzt nicht den Rat einer Ärztin oder eines Arztes. Bei gesundheitlichen Beschwerden, in der Schwangerschaft, bei der Einnahme von Medikamenten oder vor der Anwendung von Heilkräutern halten Sie bitte ärztliche Rücksprache.
Verwandte Artikel
Entdecken Sie weitere interessante Beiträge zu diesem Thema:
- Schwarzer Tee als Diabetes-Prävention (Gesundheit)
- Der geheimnisvolle ORAC (Gesundheit)
- Der richtige Tee kann sogar gegen Rotaviren helfen! (Gesundheit)
- Tee rauchen? Endlich Nicht-Raucher mit Grüntee-Filter (Gesundheit)
- Endlich wieder durchatmen mit Ingwer (Gesundheit)
- Aracha (Grüner Tee)
- Ginkgo Tee (Kräutertee)
- Der nüchterne Aufklärer und der Tee (Mythen)
