Ysop-Tee wird aus dem Kraut des Ysop (Hyssopus officinalis) gewonnen, einem würzigen Lippenblütler mit blauen Blüten, der einst über die Klostergärten nach Mitteleuropa kam. Sein kampferartig-herbes Aroma unterscheidet ihn deutlich von milden Kräutertees. Dieser Beitrag erklärt, was im Ysop steckt, wie er traditionell verwendet wird, wie Sie ihn zubereiten und worauf Sie wegen des ätherischen Öls achten sollten.

Steckbrief
Pflanze/BasisYsop (Hyssopus officinalis), Lippenblütler
Koffeingehaltkoffeinfrei
Geschmacksprofilwürzig-herb, kampferartig, leicht bitter
Wassertemperatur100 °C, sprudelnd kochend
Ziehzeit5-8 Minuten, abgedeckt
Dosierung1-2 TL (ca. 2 g) getrocknetes Kraut pro Tasse (250 ml)
Aufgüsse1
Preisspanneca. 3-6 € pro 100 g

Herkunft und Botanik des Ysop

Der Ysop (Hyssopus officinalis) gehört zur Familie der Lippenblütler und stammt ursprünglich aus Süd- und Osteuropa sowie Asien; auch in Teilen Russlands wachsen wilde Bestände. Der mehrjährige Halbstrauch fühlt sich auf kalkhaltigen, sonnigen Böden an Hängen am wohlsten. Nach Mitteleuropa gelangte die Pflanze einigen Quellen zufolge durch Karl den Großen.

Auffällig sind die schmalen Blätter und die blauen Blütenähren, die von Bienen und Schmetterlingen umschwärmt werden — daher der volkstümliche Name Bienenkraut. In Klostergärten wurde Ysop systematisch angebaut, und in Kirchen diente er früher als Weihwasserwedel. Wie andere mediterrane Würzkräuter steht er botanisch nahe bei Salbei, dem er auch geschmacklich ähnelt.

Inhaltsstoffe und ätherisches Öl

Ysop enthält ätherische Öle, Gerbstoffe, Bitterstoffe, Flavonoide und Harze. Das ätherische Öl verleiht der Pflanze ihren intensiven, kampferartigen Duft, der sie auch für die Parfümindustrie interessant macht. Die Gerbstoffe wirken zusammenziehend, die Bitterstoffe regen traditionell die Verdauung an.

Eine Besonderheit des Öls sind die Ketone Pinocamphon und Isopinocamphon. In hoher, konzentrierter Dosierung gelten sie als reizend und können krampfauslösend wirken — weshalb das reine ätherische Öl nicht innerlich und nicht unverdünnt angewendet werden sollte. Im aufgegossenen Tee sind die Mengen deutlich geringer, dennoch ist Zurückhaltung sinnvoll.

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Traditionelle Verwendung und Vorsicht

Ysop hat eine lange Tradition als Hausmittel. Wegen der ätherischen Öle und Bitterstoffe wurde der Tee traditionell bei Husten und Beschwerden der oberen Atemwege sowie bei Verdauungsproblemen verwendet. Gesicherte klinische Wirknachweise gibt es dafür kaum; viele überlieferte Anwendungen beruhen auf Erfahrungswissen.

In der Schwangerschaft sollte man Ysop wegen der Inhaltsstoffe des ätherischen Öls meiden, ebenso bei Epilepsie. Bei länger anhaltenden Beschwerden ersetzt der Tee keine ärztliche Behandlung. Für die Atemwege greifen viele auch zu verwandten Würzkräutern wie Thymian-Tee.

Geschmack und Zubereitung

Ysop-Tee schmeckt würzig-herb und kräftig mit einer kampferartigen, leicht bitteren Note. Er ist intensiver als die meisten Kräutertees, weshalb schon eine moderate Dosierung ausreicht. Wer es milder mag, mischt Ysop mit aromatischeren Kräutern oder süßt mit etwas Honig.

Für die Zubereitung übergießen Sie ein bis zwei Teelöffel (rund 2 g) getrocknetes Ysopkraut mit 250 ml sprudelnd kochendem Wasser. Decken Sie die Tasse ab, damit die flüchtigen ätherischen Öle erhalten bleiben, und lassen Sie den Tee fünf bis acht Minuten ziehen. Wegen des kräftigen Aromas trinkt man Ysop eher maßvoll, ein bis zwei Tassen am Tag.

Ysop in Küche und Garten

Ysop ist auch ein klassisches Küchenkraut der mediterranen Region. Frisch und fein gehackt würzt er Salate, Gemüsegerichte, Saucen und gegrilltes Fleisch; schon kleine Mengen genügen wegen des intensiven Aromas. Geerntet werden die Triebe mit Blättern und Blüten von Juni bis September, danach trocknet man sie an einem schattigen Platz.

Im eigenen Garten ist Ysop pflegeleicht: Er bevorzugt einen sonnigen, trockenen Standort mit kalkhaltigem Boden. Als Bienen- und Schmetterlingsweide hat er zusätzlichen ökologischen Wert. Wer Wildkräuter im Garten schätzt, findet auch im Beitrag über Fichtennadel-Tee eine herb-aromatische Alternative.

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Kauf und Lagerung

Getrockneten Ysop bekommen Sie in Apotheken, Reformhäusern und im Kräuterfachhandel. Gute Ware besteht aus grünen Blattstücken mit einzelnen blauen Blüten und verströmt einen kräftigen, würzigen Duft. Ein hoher Stängelanteil oder ein muffiger Geruch spricht für minderwertige Qualität.

Lagern Sie das getrocknete Kraut trocken, gut verschlossen und vor Licht geschützt, idealerweise in einer luftdichten Dose. Da die würzigen ätherischen Öle mit der Zeit verfliegen, sollte angebrochener Ysop innerhalb von etwa zwölf Monaten aufgebraucht werden.

Häufige Fragen

Wie schmeckt Ysop-Tee?
Würzig-herb und kräftig mit einer kampferartigen, leicht bitteren Note. Er ist deutlich intensiver als milde Kräutertees, weshalb schon eine moderate Dosierung genügt. Honig oder mildere Kräuter mildern den Geschmack.

Wofür wird Ysop-Tee traditionell verwendet?
Wegen der ätherischen Öle und Bitterstoffe wurde Ysop-Tee überliefert bei Husten, Atemwegsbeschwerden und Verdauungsproblemen eingesetzt. Gesicherte klinische Wirknachweise fehlen weitgehend; bei anhaltenden Beschwerden ist ärztlicher Rat nötig.

Wie lange muss Ysop-Tee ziehen?
Fünf bis acht Minuten mit kochendem Wasser und abgedeckt. So lösen sich die Wirkstoffe, und die flüchtigen ätherischen Öle bleiben weitgehend erhalten. Pro Tasse genügen ein bis zwei Teelöffel.

Ist Ysop-Tee in der Schwangerschaft erlaubt?
Schwangere sollten Ysop besser meiden, da sein ätherisches Öl die Ketone Pinocamphon und Isopinocamphon enthält; das Gleiche gilt bei Epilepsie. Das reine Öl darf ohnehin nicht innerlich oder unverdünnt angewendet werden.

Kann man Ysop auch in der Küche verwenden?
Ja. Frisch gehackter Ysop würzt Salate, Gemüse, Saucen und gegrilltes Fleisch und ist ein klassisches Kraut der mediterranen Küche. Wegen des intensiven Aromas reichen kleine Mengen.

Gesundheitlicher Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und dem Genuss von Tee. Er stellt keine medizinische Beratung dar und ersetzt nicht den Rat einer Ärztin oder eines Arztes. Bei gesundheitlichen Beschwerden, in der Schwangerschaft, bei der Einnahme von Medikamenten oder vor der Anwendung von Heilkräutern halten Sie bitte ärztliche Rücksprache.

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André Schulze · Herausgeber Tee-Magazin.de

André Schulze betreibt das Tee-Magazin seit 2011 und verkostet, fotografiert und beschreibt Teesorten aus aller Welt. Jeder Beitrag wird redaktionell geprüft und regelmäßig aktualisiert — zuletzt am 11. Juni 2026.