Legende oder Wahrheit?
Das die Bevölkerung in den Dörfern in Armut lebte, war lange Zeit keine Seltenheit. Selbst heute noch gibt es häufig ein Wohlstandsgefälle zwischen Stadt und Land. Ein häufig beobachtetes Phänomen ist jedoch auch, dass gerade die Menschen in einer solchen Lebenssituation, die geprägt ist von Verzicht und Mangel, eine besonders tiefe und intensive Religiosität entwickeln. Gut vorstellbar also, dass einem Bauern, vielleicht gerade weil er so arm ist, ein Tempel so sehr am Herzen liegt und so viel bedeutet, dass er sich darum kümmert, als wäre es sein Haus. Und selbstverständlich würde er dann auch die Statue der entsprechenden Gottheit ehrfurchtsvoll pflegen und umsorgen. Da ist es auch nicht sonderlich abwegig, dass dieser Bauer irgendwann auch beginnt, von dieser Göttin zu träumen. Etwas, was uns tagsüber beschäftigt und sei es auch nur unterbewusst, taucht nicht selten nachts in unseren Träumen auf. Entweder durchleben wir eine bestimmte Situation nochmal, oder es entwickelt sich irgendetwas weiter. Man möchte also nicht unbedingt abstreiten, dass der Bauer den Glauben hatte, Kuan Yin sei ihm im Traum erschienen. Vielleicht war es der pure Zufall, dass hinter dem Tempel ein Teestrauch wuchs und schließlich von dem Bauern entdeckt wurde. Man mag es auch Schicksal nennen. Wie auch immer, alles in allem kann man sich durchaus vorstellen, dass dieser Mythos nicht nur eine wunderschöne, sondern auch eine wahre Geschichte ist.Fazit
Beweise dafür gibt es selbstverständlich nicht. Es fällt jedoch auf, dass die Göttin Kuan Yin, deren Tee heute unter dem Namen "Tie Guan Yin" bekannt ist, sehr fürsorgliche, fast schon mütterliche Wesenszüge hat. Wohl nicht zufällig erinnert sie damit auch an die Heilige Maria, die von Katholiken weltweit als die jungfräuliche Mutter Jesu verehrt wird. Kuan Yin zeigt sich in dieser Legende so, wie man es wohl bis heute typisch weiblich bezeichnen würde. In den meisten Sagen und Mythen über Tee kommen Frauen wenn überhaupt, nur als arme Waise vor oder kümmern sich fürsorglich um jemanden und werden in irgendeiner Weise mit Tee dafür belohnt. Die Rolle der übergeordneten Gottheit nehmen sonst jedoch die männlichen Götter ein. Sie sind es, die den Menschen die Erkenntnis über den Tee schenkten. Die Geschichte, wie der Tie Guan Yin entstand ist also aus zwei Gründen etwas Besonderes. Zum einen könnte es sich, bis auf einige Kleinigkeiten, tatsächlich so abgespielt haben. Zum anderen spielt hier eine Göttin die Hauptrolle. Einer weiblichen Gottheit hat nicht nur ein einzelner armer Bauer, sondern ein ganzes Dorf seinen Wohlstand zu verdanken. Bildnachweis: Das Geschenk der Kuan Yin © Moustyk - Fotolia.comZubereitung des Tie Guan Yin – Kuan Yins Geschenk an den Teetrinker
Der Tie Guan Yin, der legendäre Tee der Göttin der Barmherzigkeit, verdient eine ebenso sorgfältige Zubereitung wie seine mythische Herkunft. Verwenden Sie Wasser mit 85–90°C und gönnen Sie dem Tee zunächst einen kurzen Voraufguss von 15–20 Sekunden, der die fest gerollten Blätter öffnet und vorsichtig erweckt. Gießen Sie dieses erste Wasser weg. Dann folgen die eigentlichen Aufgüsse: 45–60 Sekunden für den ersten, jeweils leicht länger für die Folgenden. Gute Tie Guan Yin Blätter lassen 6–8 Aufgüsse zu, wobei das Aroma bei jedem Durchgang neue Dimensionen zeigt – von frisch-blumig über orchideengleich bis hin zu einem milden, gerundeten Abschluss. Am besten genießt man diesen Tee in einem Gaiwan oder einer kleinen Yixing-Tonkanne.
Spirituelle und gesundheitliche Wirkung des heiligen Tees
In der chinesischen Volksmedizin gilt Tie Guan Yin als harmonisierender Tee, der Körper und Geist in Einklang bringt – passend zur Göttin Kuan Yin, die für Mitgefühl und Heilung steht. Modern betrachtet enthält Tie Guan Yin eine reiche Palette an Antioxidantien, insbesondere Catechine und Polyphenole, die Zellschäden abwehren und das Immunsystem stärken. Sein moderater Koffeingehalt kombiniert mit L-Theanin sorgt für entspannte Wachheit und klaren Geist – ideal für Meditation und konzentriertes Arbeiten. Regelmäßiger Genuss soll laut traditionellen Überlieferungen das Qi stärken, die Verdauung harmonisieren und die Lebenskraft mehren. Wissenschaftliche Studien bestätigen zumindest die positiven Effekte auf Blutzucker, Cholesterin und Herzgesundheit.
Mehr dazu erfahren Sie in unserem Artikel ueber chinesische Teekultur. Einen ausfuehrlichen Ueberblick bietet unser Beitrag zu Jiaogulan Tee. Lesen Sie dazu auch unseren Ratgeber zu Yan Cha Felsentee.
Die Legende von Kuan Yin und dem heiligen Tee
Die bekannteste Legende des Tie Guan Yin erzählt von einem armen Bauern namens Wei Yin, der eine verfallene Tempelruine der Göttin Kuan Yin täglich mit dem wenigen reinigte und mit Weihrauch ehrte. Bewegt von seiner Hingabe erschien ihm Kuan Yin im Traum und verwies ihn auf eine Höhle hinter dem Tempel, in der sich ein wertvoller Schatz verberge. Wei Yin fand dort einen kleinen Teestrauch, den er hegte und pflegte. Die Teeblätter dieses Strauchs produzierten den herrlichsten Tee, den die Region je gesehen hatte – voll, blumig, unnachahmlich. Wei Yin teilte Stecklinge mit Nachbarn und Freunden und gab dem Tee den Namen „Tie Guan Yin" – Eiserne Göttin der Barmherzigkeit. Diese Geschichte ist mehr als 300 Jahre alt und lebt in der Teekultur Fujians bis heute fort.
FAQ: Das Geschenk der Kuan Yin
Was bedeutet „Tie Guan Yin" wörtlich? Tie bedeutet Eisen, Guan Yin ist die Göttin der Barmherzigkeit – also „Eiserne Göttin der Barmherzigkeit". Der Name verweist auf die schweren, dunkelgrünen Blätter, die an eine Eisen-Statue erinnern.
Welche Qualitätsstufen gibt es? Von einfachem Handelstee bis zur handgepflückten Premiumqualität gibt es viele Stufen. Spitzenqualitäten haben intensive Orchideenaroma und lassen viele Aufgüsse zu.
Kann Tie Guan Yin bitter werden? Nur bei zu hoher Wassertemperatur oder zu langer Ziehzeit. Bei richtiger Zubereitung ist er angenehm rund und süßlich ohne jede Schärfe.
Wo wird der echte Tie Guan Yin angebaut? Die besten Qualitäten kommen aus Anxi in der Fujian-Provinz, insbesondere aus den Hochlagen um das Dorf Xiping – dem mythischen Ort der Kuan Yin-Legende.
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