"Tee ist der neue Kaffee" — hinter dem Schlagwort steckt eine messbare Marktverschiebung: Der Kaffee-Boom mit Kapselmaschinen und Coffee-Shops ist gesättigt, und dieselben Konzerne entdecken nun den Tee. 26 Liter Schwarz- und Grüntee trinkt jeder Deutsche bereits pro Jahr, bei Kräuter- und Früchtetee doppelt so viel — Tendenz steigend. Dieser Beitrag zeigt, woher der Trend kommt und wohin er führt.

Die Ausgangslage: Kaffeeland Deutschland, Teemacht Welt

In Deutschland wird nach wie vor deutlich mehr Kaffee als Tee getrunken. Weltweit sieht die Bilanz anders aus: Dort liegt Tee bei den Getränken gleich hinter Wasser auf Platz zwei. Auch hierzulande steigen die Zahlen seit Jahren — auf aktuell rund 26 Liter schwarzen und grünen Tee pro Kopf und Jahr, bei Kräuter- und Früchteaufgüssen etwa das Doppelte.

Die regionalen Unterschiede sind enorm: Ostfriesland kommt auf etwa 300 Liter pro Kopf und Jahr, umgerechnet 2,5 kg Teeblätter, während der Bundesdurchschnitt bei rund 250 g Blattware liegt. Verglichen mit klassischen Teenationen wie der Türkei oder Irland bleibt Deutschland damit Entwicklungsland — genau das macht den Markt für die Getränkeindustrie interessant. Mehr Statistiken liefert der Beitrag Tee in Zahlen.

Was der Kaffee-Boom vorgemacht hat

Der Kaffee durchlief seine Aufwertung zuerst: Kaum jemand trinkt noch "einfach nur Kaffee". Stattdessen gibt es Milchschaum in allen Varianten — laktosefrei, fettarm, mit Soja — und Sirup-Flavors von Amaretto bis Zimt. Die Filialen der Kaffeehaus-Ketten schossen in den Großstädten an jeder Ecke aus dem Boden, und Kapsel- wie Padmaschinen brachten den Latte Macchiato per Knopfdruck nach Hause.

Inzwischen gilt dieser Markt als gesättigt; der große Boom ist vorbei. Für die Konzerne, die bisher vor allem oder ausschließlich am Kaffee verdient haben, ist der Tee die logische nächste Wachstumskategorie: kulturell aufgeladen, vielfältig, mit wachsender Nachfrage — und bei jüngeren Zielgruppen längst angekommen.

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Tee-to-go und Teeautomaten: die neuen Konzepte

Was anfangs für Verwunderung sorgte, ist heute Standard: In den Coffee-Shop-Ketten wächst das Teeangebot stetig, vom klassischen Beutel über Matcha Latte bis zur hauseigenen Kreation im To-go-Becher. Den eingefleischten Teefans ist das "schnell hin, schnell weg" zwar zu hektisch — die Nachfrage steigt trotzdem messbar.

Der nächste Schritt folgte prompt: Teeautomaten für zu Hause, die per Knopfdruck auch Varianten mit aufgeschäumter Milch zubereiten und Latte-Macchiato-Trinkern den Umstieg erleichtern sollen. Ob solche Geräte ihr Geld wert sind, beleuchtet der Ratgeber zum Teekocher; wie viel Tee in Trendgetränken wirklich steckt, prüft der Artikel zum Bubble-Tea-Trend.

Koffein im Vergleich: Wachmacher mit Unterschieden

Ein Hauptargument der Umsteiger ist die Art der Wirkung. Eine Tasse Filterkaffee enthält etwa 80 bis 120 mg Koffein, eine Tasse Schwarztee je nach Ziehzeit 30 bis 70 mg, Grüntee meist 20 bis 40 mg. Im Tee ist das Koffein zudem an Gerbstoffe gebunden und wird langsamer freigesetzt — viele empfinden die Wachheit dadurch als gleichmäßiger und länger anhaltend, ohne das abrupte Hoch des Espressos.

Hinzu kommt die Aminosäure L-Theanin, die fast nur in der Teepflanze vorkommt und dem Aufguss seinen ruhig-konzentrierten Charakter gibt. Einen ausführlichen Vergleich der beiden Wachmacher zieht der Beitrag Kaffee wirkt viel stärker als Tee.

Ersatz oder Ergänzung? Ein nüchternes Fazit

Das Bild vom meditativen Teetrinker, der Schluck für Schluck in sich gekehrt seine Nachmittagstasse leert, ist schön — aber es beschreibt nur einen Teil der Realität. Viele klassische Kaffeetrinker meiden Tee schlicht, weil sie ihn mit großem Zeitaufwand verbinden. Wenn To-go-Becher und Automaten genau diese Hürde abbauen und zum ersten Probieren verführen, ist dagegen wenig einzuwenden.

Verdrängen wird der Tee den Kaffee in Deutschland auf absehbare Zeit nicht; die beiden Getränke ergänzen sich eher, je nach Tageszeit und Stimmung. Der entscheidende Unterschied zur kurzlebigen Mode: Der Tee-Trend ruht auf Jahrtausenden Tradition und einer Sortenvielfalt von Matcha bis Ostfriesenmischung — Substanz, die Moden überdauert. Wie sich die Lager gegenseitig sehen, nimmt der Beitrag Teeliebhaber vs. Kaffeefans mit einem Augenzwinkern auseinander.

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Häufige Fragen

Warum heißt es, Tee ist der neue Kaffee?
Weil der gesättigte Kaffeemarkt die Industrie zum Tee treibt: Coffee-Shop-Ketten erweitern ihr Teeangebot, Hersteller bringen Teeautomaten heraus, und der Pro-Kopf-Verbrauch steigt seit Jahren.

Wie viel Tee trinken die Deutschen im Vergleich zu Kaffee?
Rund 26 Liter schwarzen und grünen Tee pro Kopf und Jahr, bei Kräuter- und Früchtetee etwa das Doppelte. Kaffee liegt mit deutlich über 150 Litern weiterhin klar vorn.

Hat Tee weniger Koffein als Kaffee?
Ja. Schwarztee enthält je nach Ziehzeit 30 bis 70 mg pro Tasse, Filterkaffee 80 bis 120 mg. Das Tee-Koffein ist an Gerbstoffe gebunden und wirkt dadurch langsamer und gleichmäßiger.

Gibt es Tee auch to go?
Ja, die großen Coffee-Shop-Ketten führen inzwischen ein wachsendes Teesortiment im To-go-Becher, von klassischen Sorten bis Matcha Latte. Auch Teeautomaten für zu Hause sind auf dem Markt.

Löst der Tee den Kaffee ab?
Eher nicht — die Zahlen sprechen für ein Nebeneinander. Tee gewinnt stetig Marktanteile und neue Zielgruppen, bleibt in Deutschland aber vorerst die Nummer zwei hinter dem Kaffee.

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André Schulze · Herausgeber Tee-Magazin.de

André Schulze betreibt das Tee-Magazin seit 2011 und verkostet, fotografiert und beschreibt Teesorten aus aller Welt. Jeder Beitrag wird redaktionell geprüft und regelmäßig aktualisiert — zuletzt am 11. Juni 2026.