Die Namen "Cecil Rhodes" und "Baron Alfred de Rothschild" kommen einigen bekannt vor, viele können sich jedoch, außer mit "Hab' ich schon mal irgendwo gehört.", nicht näher dazu äußern. Deshalb eine kurze Einführung. Cecil Rhodes lebte von 1853 bis 1902 und war nicht nur ein britischer Unternehmer, sondern auch Politiker. Zu seiner Epoche gehören in erster Linie einige Neuerwerbungen zahlreicher Kolonien für das damalige "Britische Weltreich". Das heutige Simbabwe trug sogar einmal den Namen "Rhodesien", als Hommage an Cecil Rhodes. Baron Alfred de Rothschild (1942 - 1918) dagegen war ein Mitglied der berühmten Rothschild-Familie, die ursprünglich von Frankfurt am Main aus, eine Banken-Dynastie gründete. Als bedeutender Unternehmer zum Einen und als Teil einer großen Bankiersfamilie zum Anderen war es wohl unausweichlich, dass beide einander früher oder später begegneten. So gibt es von Cecil Rhodes folgendes Zitat über einen Besuch von ihm bei Baron Alfred de Rothschild: "Ein Butler in Livrée erschien und fragte: »Wünschen Sie Tee oder frischen Pfirsich, Sir?« Ich entschied mich natürlich für Tee und der Livrierte fragte sofort: »Indischen, chinesischen oder Ceylon-Tee, Sir?« Ich wählte den indischen und postwendend kam die nächste Frage: »Mit Rahm oder Milch, Sir?« Ich nahm Milch und wurde nun nach der Rindersorte gefragt: »Jersey, Hereford oder Short-Horn, Sir?«" Wenn man dies liest, muss man wohl ganz automatisch schmunzeln. Die Wahl zwischen Tee und Pfirsich scheint schon etwas sonderbar. Normalerweise würde man die Wahl zwischen mehreren Getränken oder Essen erwarten, aber kaum die Wahl zwischen trinken oder essen an sich. Die weiteren Fragen nach den Teesorten und Rahm oder Milch sind da schon verständlicher. Die Frage nach der Rindersorte wird aber so ziemlich jeder übertrieben finden. Und da liegt es schnell nahe, auch die Gewohnheiten einiger heutiger Teeliebhaber etwas zu hinterfragen. Kann man bei einem Tee beispielsweise wirklich einen Unterschied schmecken, wenn er beispielsweise mit etwas heißerem oder kälterem Wasser übergossen wurde? Oder fällt es wirklich so sehr auf, wenn ein Tee ein bisschen zu lange gezogen hat? Kann man bei einem Tee tatsächlich die Herkunft erschmecken? Vielleicht sogar noch den Jahrgang? Da dürfte es sich wie mit dem Wein verhalten. Während einige feine Zunge selbst die zartesten Nuancen etwa von Beeren oder Quitte erschmecken können, können andere bei Blindverkostungen gerade einmal roten Wein von weißem unterscheiden. Wenn Tee zu einer absoluten Leidenschaft geworden ist und man bereits zahllose Tees aus aller Herren Länder getrunken hat, wird man andere Dinge erkennen und im wahrsten Sinne des Wortes erschmecken können, als jemand, der nur ab und zu mal eine Tasse trinkt.

Fazit

In wieweit die einzelnen Unterscheidungskriterien verschiedener Tees tatsächlich gerechtfertigt sind, bleibt sicher strittig. Und letzten Endes gilt natürlich der Grundsatz "Schmeckt oder schmeckt nicht." und den legt schließlich das individuelle Geschmacksempfinden jedes einzelnen fest. Dennoch muss man zugeben, dass einem am Tee plötzlich Aromen und Düfte auffallen können, die man bisher nie bemerkt hat, sobald man ihn ganz bewusst trinkt. Es wäre sicher nichts schlechtes daran, sich wenigstens einmal wöchentlich, noch besser täglich, Zeit für eine einzige Tasse Tee zu nehmen, diese ganz bewusst mit geschlossenen Augen zu genießen und einmal nur darauf zu achten, was man da eigentlich schmeckt. Für eine Tasse Tee braucht man nicht lange, diese Zeit kann man selbst im hektischen Alltag finden. Alles andere wird ausgeblendet und für diese paar Minuten gibt es nur den Tee, sich selbst und den eigenen Geschmack. Irgendwann wechselt man einfach den Tee und man wird merken, dass man plötzlich doch einen Unterschied schmeckt, den man vorher vielleicht gar nicht erwartete hätte. Irgendwann erkennt die Zunge sogar wesentlich kleinere Variationen, beispielsweise in der Zubereitung. Die Erfahrung von Cecil Rhodes mit Baron Albert de Rothschild lädt uns ein zu einem kleinen Experiment mit unserem eigenen Geschmack, von dem mit Sicherheit nicht nur unsere Zungen, sondern auch unsere Seelen profitieren werden. Bildnachweis: Vielfalt Tee ©Thinkstock: iStockphoto

Die Vielfalt der Tees: Übersicht und Zubereitungsprinzipien

Die Welt des Tees bietet eine schwindelerregende Vielfalt: Allein unter den echten Tees (Camellia sinensis) gibt es sechs Hauptkategorien (Weiß, Grün, Gelb, Oolong, Schwarz, Pu-Erh) mit Tausenden von Varietäten weltweit. Hinzu kommen Kräutertees, Früchtetees, Rooibos, Mate und unzählige Mischungen. Für Einsteiger: Beginnen Sie mit drei Grundtypen, die den Geschmackshorizont öffnen – ein Darjeeling First Flush (elegante Frische), ein Dong Ding Oolong (komplexe Mitte), ein guter Darjeeling Second Flush oder Assam (runder Körper). Jeder wird bei optimaler Temperatur und Ziehzeit zubereitet: Grüntee 80°C, Oolong 90°C, Schwarztee 95–100°C. Die Vielfalt ist keine Überwältigung, sondern eine Einladung zur schrittweisen Entdeckung.

Ist die Teevielfalt überwältigend oder bereichernd?

Aus psychologischer Perspektive ist zu viel Auswahl tatsächlich problematisch: Barry Schwartz beschrieb in „The Paradox of Choice" (2004), dass Überabundanz an Optionen zu Entscheidungslähmung und geringerer Zufriedenheit führt. In der Teewelt gilt ähnliches: Wer vor 300 Sorten steht, kann sich überfordert fühlen. Die Lösung ist Kuration: Gute Teehändler helfen, die individuelle Geschmackspräferenz zu identifizieren – und von dort aus zu erweitern. Für geübte Teefans ist die Vielfalt das Hauptreiz: Jede Ernte, jede Region, jede Verarbeitung erzählt eine andere Geschichte. Anders als bei Wein, wo die Jahrgangsvariabilität von Experten bewertet wird, ist Tee-Vielfalt demokratischer – jeder Mensch kann mit dem richtigen Einstieg ein echter Teekenner werden.

Geschichte: Wie die Teevielfalt entstand

Die heutige globale Teevielfalt ist das Ergebnis von tausend Jahren bewusster und zufälliger Selektion. Ursprünglich gab es nur eine Camellia sinensis-Varietät in Yunnan, China. Durch regionale Anpassung, Kultivierung und Kreuzung entstanden die assamische Großblattpflanze, die chinesische Kleinblattpflanze und hunderte von lokalen Sorten. Die Verbreitungsgeschichte – von China nach Korea, Japan, Taiwan, dann via Niederlande und England nach Indien, Ceylon, Kenia – schuf mit jeder neuen Umgebung neue Geschmacksprofile. Die industrielle Revolution brachte CTC-Verarbeitung und standardisierten Massentee, der handwerkliche Kleingärtner-Trend der letzten Jahrzehnte brachte Spezialitäten zurück. Heute ist die Teevielfalt globaler als je zuvor – und lokaler zugleich.

FAQ: Teevielfalt

Wie viele verschiedene Teesorten gibt es weltweit? Genaue Zahlen gibt es nicht, aber Schätzungen gehen von 3.000–10.000 verschiedenen benannten Tees aus – wenn man regionale Kleinproduzenten einbezieht noch mehr.

Ist teurerer Tee immer besser? Nicht automatisch. Preis hängt von Seltenheit und Produktionsaufwand ab, nicht immer von Geschmacksqualität. Für 5–15 Euro pro 100 g bekommt man excellent tee. Darüber ist es oft Kennermarkt.

Wie finde ich meinen persönlichen Lieblingstee? Schritt 1: Grundpräferenz klären (lieber leicht-frisch oder kräftig-rund). Schritt 2: In jeder Kategorie eine Qualitätsprobe probieren. Schritt 3: Von der Lieblingssorte aus die Variationen erkunden.

Braucht man teures Equipment für Tee-Vielfalt? Nein. Ein gutes Gaiwan (unter 10 Euro aus China), ein Teekocher mit Temperatureinstellung (20–30 Euro) und offenes Qualitätswasser genügen, um 99% der Teewelt zu erkunden.

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