Indien zählt heute zu den größten Teenationen der Welt, obwohl der kommerzielle Anbau erst im 19. Jahrhundert begann. Bekannt sind vor allem die kräftigen Schwarztees aus Assam und die feinen Hochlandtees aus Darjeeling, dazu kommt die eigene Trinkkultur rund um den gewürzten Masala Chai. Hier erfahren Sie, wie Indien zum Teeland wurde, welche Regionen welche Tees liefern und was First und Second Flush bedeuten.
Wie Indien zum Teeland wurde
Verglichen mit China und Japan kam Indien spät zum Tee: Erst im 19. Jahrhundert entwickelte sich der Anbau, dafür umso nachhaltiger. 1823 wurden im Nordosten wilde Teepflanzen in Assam gefunden, doch zunächst nicht als Tee erkannt, weil man in Indien schlicht keinen wilden Tee erwartete. Ab 1834 begann die britische East India Company, gezielt Teepflanzen zu kreuzen, zu kultivieren und in geeigneten Regionen anzubauen.
Der Hintergrund war wirtschaftlich: Die Briten hatten ihr Teehandelsmonopol mit China verloren und suchten nach einer Quelle in der eigenen Kolonie. Eine indische Legende erzählt zudem vom Fakir Dharma, der auf einer Reise durch China Teeblätter kaute und davon wach blieb. Wie sich diese Mythen zur Geschichte verhalten, beleuchtet der Beitrag Der Zufall brachte den Tee nach Indien.
Assam: kräftiger Tee aus dem Tiefland
Assam im Nordosten Indiens ist das größte Anbaugebiet des Landes und zählt rund 2000 Teeplantagen. Auf beiden Uferseiten des Brahmaputra-Stroms liegen in etwa 1000 Metern Höhe weite Hochebenen mit tropischem, feuchtheißem Klima. Das ergibt beste Voraussetzungen für einen kräftigen, würzigen und malzigen Tee.
Eine Besonderheit ist die Teepflanze selbst: Während die chinesische Varietät strauchartig wächst, kann ihre indische Verwandte aus Assam bis zu 20 Meter hoch werden, was lange dazu beitrug, dass die Wildpflanzen nicht als Tee erkannt wurden. Assam bildet die Basis vieler kräftiger Frühstücksmischungen; den fertigen Tee stellt der Artikel Assam Tee im Detail vor.
Darjeeling und das Himalaya-Hochland
Darjeeling im Norden Indiens liegt an den Südhängen des Himalaya, mit Teegärten in rund 2000 Metern Höhe, also etwa doppelt so hoch wie die in Assam und nahe der Vegetationsgrenze. Das verlangsamte Pflanzenwachstum und die intensive Sonneneinstrahlung ergeben gehaltvolle Tees mit feinem, blumigem Aroma. Wegen ihrer zarten Qualität werden Darjeeling-Tees ausschließlich von Hand gepflückt.
Weiter nördlich liegt Sikkim, dessen Tee dem Darjeeling ähnelt, aber kräftiger schmeckt und mehr Körper hat. Zwischen Darjeeling und Assam liegt die Region Dooars mit hellbraunem, leicht würzigem Tee. Tees aus Sikkim und Dooars decken vor allem den indischen Eigenbedarf. Der südlich angrenzende Nilgiri-Tee rundet das indische Hochlandspektrum ab.
Nilgiri und der Süden
Im Südwesten Indiens liegen jüngere Anbaugebiete, allen voran die Nilgiri-Hills und Travancore. Die Plantagen reichen von wenigen 200 Metern über dem Meeresspiegel bis über 2500 Meter Höhe, was eine große Bandbreite an Bedingungen schafft. Wegen der geografischen Nähe zu Sri Lanka schmeckt der Tee aus dieser Region ähnlich spritzig und frisch wie Ceylon-Tee.
Nilgiri-Tee ist klar, aromatisch und eignet sich gut für Mischungen und Eistee, weil er nicht trüb wird. Damit ergänzt der Süden das Spektrum, das im Norden von kräftigem Assam und feinem Darjeeling geprägt ist. Wie sich der südindische Tee zum benachbarten Inseltee verhält, zeigt der Beitrag Ceylon Tee.
Sorten, First Flush und Second Flush
Indien ist vor allem für Schwarztee bekannt; grüner Darjeeling bleibt ein Nischenprodukt. Die meisten Sorten tragen den Namen ihrer Anbauregion, also Assam, Darjeeling oder Nilgiri. Beim feinen Darjeeling unterscheidet man nach Erntezeitpunkt: Der First Flush stammt von der ersten Ernte ab März, ist hell und blumig und kommt als sogenannter Flugtee schnell nach Europa.
Der Second Flush wird von Mitte Mai bis Ende Juni gepflückt, schmeckt kräftiger und zeigt einen orange-braunen Farbton; Tee aus dem April heißt In Between, eine späte Herbsternte nach dem Monsun trägt den Namen Darjeeling Autumnal. Eine britische Schöpfung auf indischer Basis ist der Earl Grey, ein Schwarztee mit Bergamotte-Aroma. Was es mit dem schnell verschifften Flugtee auf sich hat, erklärt der Beitrag Was ist Flugtee?.
Tee im täglichen Leben Indiens
Die Inder genießen ihren Tee anders als die Briten: nicht süß mit Zitrone oder Milch, sondern würzig. Schwarzer Tee wird mit einer Gewürzmischung aus Kardamom, Ingwer, Nelke, Zimt und Pfeffer aufgekocht, dann mit reichlich Milch und Zucker versetzt. So entsteht der Masala Chai, der zugleich scharf und süß schmeckt, wärmt, beruhigt und wach macht.
Fast jede Region, oft jede Familie, hat ihr eigenes Chai-Rezept. Der Tee ist auch ohne spezielle Zeremonie fester Bestandteil der Gastfreundschaft. Da Indien längst die Qualität seiner eigenen Tees erkannt hat, steigt der Inlandskonsum stetig. Die gewürzte Trinkkultur beschreibt ausführlich der Beitrag zur indischen Teekultur und dem Masala Chai.
Häufige Fragen
Seit wann wird in Indien Tee angebaut?
Kommerziell erst seit dem 19. Jahrhundert. 1823 wurden in Assam wilde Teepflanzen gefunden, ab 1834 begann die britische East India Company mit dem gezielten Anbau, um unabhängig vom chinesischen Tee zu werden.
Was ist der Unterschied zwischen Assam und Darjeeling?
Assam wächst im tropischen Tiefland und ergibt kräftigen, malzigen Tee. Darjeeling stammt aus rund 2000 Metern Höhe am Himalaya und ist feiner und blumiger; er wird nur von Hand gepflückt.
Was bedeuten First Flush und Second Flush?
First Flush ist die erste Ernte ab März, hell und blumig, oft als Flugtee verkauft. Second Flush wird von Mai bis Juni gepflückt und schmeckt kräftiger mit orange-braunem Farbton.
Wie trinken die Inder ihren Tee?
Meist als Masala Chai: Schwarztee wird mit Kardamom, Ingwer, Nelke, Zimt und Pfeffer aufgekocht und mit viel Milch und Zucker getrunken. Fast jede Familie hat ihr eigenes Rezept.
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