Der Tee stammt aus China – oder etwa doch nicht?


Tee hat in Asien eine mehr als lange Tradition. Im direkten Vergleich damit, kenn wir hierzulande Tee quasi erst seit fünf Minuten. Schon Jahrhunderte vor Christus wurde weit im Osten ganz selbstverständlich und täglich Tee getrunken. Doch auch die Länder dieses Kontinents haben unterschiedlich lange Tee-Traditionen. Die älteste hat ganz eindeutig China. Zahlreiche historische Dokumente und Funde belegen das ganz eindeutig. Also stammt der Tee aus China. Oder etwa doch nicht?

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Lu Yu, ein chinesischer Schriftsteller und Gelehrter, der von 728 bis 804 lebte, verfasste eines der bis heute bedeutendsten Werke über Tee. In „Chajing“ brachte er in nur zehn knappen Kapiteln alles Wesentliche über Tee so genau auf den Punkt, dass es inzwischen nicht nur immer noch zu haben ist, es wurde auch in zahlreiche Sprachen übersetzt und als „Das Buch vom Tee“ auch bei uns verkauft.

Angefangen bei den Ursprüngen des Tee, über die Ernte, die Herstellung, die Zubereitung und das Aufgießen, erläutert Lu Yu sogar noch, wie man Tee idealer Weise trinkt. Er nennt alte Dokumente und Schriften, in denen bereits vor seiner Zeit von Tee die Rede war und geht selbst noch auf die speziellen Anbaugebiete der Spitzentees ein. Rund um also ein zeitloses Werk, das belegt, wie alt die Geschichte einerseits ist und wie wenig gleichzeitig Tee aber auch aus der Zukunft wegzudenken ist. Tee scheint im wahrsten Sinne des Wortes zeitlos zu sein.

Von der Bibel und anderen religiösen Schriften und Lehren einmal abgesehen, ist es absolut ungewöhnlich für ein Buch, dass es über einen so langen Zeitraum aktuell bleibt und immer noch verkauft wird. Doch bereits im ersten Kapitel, über den Ursprung des Tees, steht ein Satz, den viele bei uns einfach so überlesen dürften, der aber eine durchaus brisante Bedeutung haben dürfte. So schreibt Lu Yu „Tee ist ein segenspendender Baum des Südens.“

Experten und Fachleute sind sich einig. Damit meinte Lu Yu nicht etwa den Süden Chinas, sondern Indien! Aber kann es tatsächlich sein, dass der Tee in Wirklichkeit kein chinesisches Original ist? Wo er doch erwiesener Maßen von China aus die ganze Welt erobert hat und nur durch Zufall mit Hilfe der britischen Besatzer nach Indien gekommen sein soll.

Legende oder Wahrheit?

Die wohl ältesten Quellen zum Thema Tee erwähnen, dass bereits im Jahre 2780 v. Chr. eine Gruppe Chinesen auf den Tee gestoßen sein sollen. Sie erkundeten und erforschten Kräuter und andere Pflanzen auf ihre Wirkung. Dabei sollen sie untersucht haben, wie beispielsweise Wurzeln oder andere Pflanzenteile, so auch Blätter, schmeckten und ob und in welcher Form sie einen Einfluss auf den menschlichen Körper hatten. Dabei sollen diese Naturwissenschaftler, Kräuterkundige oder wie auch immer man sie nennen möchte, auch Blätter des Teestrauches mit Wasser übergossen haben und von dem anregenden Effekt begeistert gewesen sein.

Aber warum sollten sich die Chinesen dabei ganz streng an ihre Landesgrenzen gehalten haben? Und gab es damals überhaupt schon die eindeutigen Landesgrenzen, wie sie heute die Länder Asiens festlegen? Kann es nicht sein, dass diese Gruppe an Interessierten bei ihren Studien bis nach Indien kam und tatsächlich dort auf den Tee stieß? Schließlich ließen sich die Teesträucher Jahrhunderte später recht schnell und einfach in Indien ansiedeln und fühlten sich dort ganz offensichtlich wohl. Und es gibt ja auch einige Wildbestände an Teepflanzen in Indien.

Fazit

Auf den ersten Schreck scheint es fast so etwas wie ein kleiner Skandal zu sein, dass der Tee offensichtlich nicht in China, sondern in Indien seine Wurzeln hat. Aber mal ehrlich, „groß gemacht“ haben ihn trotzdem die Chinesen. Sie waren es, die auf die Idee kamen, diese Blätter mit heißem Wasser zu übergießen. Sie haben den Anbau perfektioniert, Ernte- und Herstellungsverfahren entwickelt und die erste große Teekultur der Welt geschaffen. China hatte lange Zeit das Monopol auf die Teeherstellung und von China aus begann der Tee seinen Siegeszug über die ganze Welt.

Ist es da wirklich so sehr von Bedeutung, ob die Erde, in der die Wurzeln des Teestrauches, dessen Blätter als erstes übergossen wurden, nun indische oder chinesische war? Wer weiß, ob die Inder überhaupt jemals entdeckt hätten, welch ein Schatz da auf ihren Hängen wächst, wenn nicht die chinesischen „Kräuterforscher“ gekommen wären. Sie fanden die Pflanze scheinbar nicht als etwas ganz selbstverständliches, an dem sie täglich vorbeilaufen. Sie fanden sie interessant genug, um die Blätter zu probieren und so den ersten Tee zu kreieren.

 

Bildquelle: Tea gathering/njr_2011/fotolia.com

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