Legende oder Wahrheit?
Die wohl ältesten Quellen zum Thema Tee erwähnen, dass bereits im Jahre 2780 v. Chr. eine Gruppe Chinesen auf den Tee gestoßen sein sollen. Sie erkundeten und erforschten Kräuter und andere Pflanzen auf ihre Wirkung. Dabei sollen sie untersucht haben, wie beispielsweise Wurzeln oder andere Pflanzenteile, so auch Blätter, schmeckten und ob und in welcher Form sie einen Einfluss auf den menschlichen Körper hatten. Dabei sollen diese Naturwissenschaftler, Kräuterkundige oder wie auch immer man sie nennen möchte, auch Blätter des Teestrauches mit Wasser übergossen haben und von dem anregenden Effekt begeistert gewesen sein. Aber warum sollten sich die Chinesen dabei ganz streng an ihre Landesgrenzen gehalten haben? Und gab es damals überhaupt schon die eindeutigen Landesgrenzen, wie sie heute die Länder Asiens festlegen? Kann es nicht sein, dass diese Gruppe an Interessierten bei ihren Studien bis nach Indien kam und tatsächlich dort auf den Tee stieß? Schließlich ließen sich die Teesträucher Jahrhunderte später recht schnell und einfach in Indien ansiedeln und fühlten sich dort ganz offensichtlich wohl. Und es gibt ja auch einige Wildbestände an Teepflanzen in Indien.Fazit
Auf den ersten Schreck scheint es fast so etwas wie ein kleiner Skandal zu sein, dass der Tee offensichtlich nicht in China, sondern in Indien seine Wurzeln hat. Aber mal ehrlich, "groß gemacht" haben ihn trotzdem die Chinesen. Sie waren es, die auf die Idee kamen, diese Blätter mit heißem Wasser zu übergießen. Sie haben den Anbau perfektioniert, Ernte- und Herstellungsverfahren entwickelt und die erste große Teekultur der Welt geschaffen. China hatte lange Zeit das Monopol auf die Teeherstellung und von China aus begann der Tee seinen Siegeszug über die ganze Welt. Ist es da wirklich so sehr von Bedeutung, ob die Erde, in der die Wurzeln des Teestrauches, dessen Blätter als erstes übergossen wurden, nun indische oder chinesische war? Wer weiß, ob die Inder überhaupt jemals entdeckt hätten, welch ein Schatz da auf ihren Hängen wächst, wenn nicht die chinesischen "Kräuterforscher" gekommen wären. Sie fanden die Pflanze scheinbar nicht als etwas ganz selbstverständliches, an dem sie täglich vorbeilaufen. Sie fanden sie interessant genug, um die Blätter zu probieren und so den ersten Tee zu kreieren. Bildquelle: Tea gathering/njr_2011/fotolia.comDie chinesische Ursprungstheorie und ihre Belege
Die weitverbreitetste Geschichte lautet: Tee wurde in China entdeckt, als ein Blatt der Teepflanze zufällig in das heiße Wasser des legendären Kaisers Shennong fiel – vor etwa 4000 Jahren. Shennong gilt als Vater der chinesischen Medizin und der Landwirtschaft, und die Geschichte ist mythologisch. Archäologische Belege für Teekonsum in China gehen bis in die Han-Dynastie zurück (206 v. Chr. – 220 n. Chr.), mit dem ältesten physischen Beleg – Teereste in einem Han-Grab – auf etwa 200 v. Chr. datiert. Das älteste systematische Buch über Tee, Lu Yus Cha Jing, stammt aus der Tang-Dynastie (ca. 760 n. Chr.). Die Region Yunnan in Südwestchina beheimatet die ältesten wilden Teepflanzen der Welt – manche Shan-Bäume sind über 1000 Jahre alt. Die Beweise für China als Wiege des Tees sind substanziell.
Indien und die Assam-Theorie
Im Jahr 1823 entdeckte der britische Major Robert Bruce in den Wäldern Assams, im Nordosten Indiens, wildwachsende Teepflanzen. Diese Pflanzen – Camellia sinensis var. assamica – sind größer und robuster als chinesische Sorten und produzieren kräftigere Schwarztees. Die Entdeckung führte zu einer wissenschaftlichen Kontroverse: Ist Assam ein unabhängiger Ursprung der Teepflanze? Genetische Studien legen nahe, dass Camellia sinensis in mehreren Regionen Südostasiens parallel vorkommt, darunter Yunnan, Assam und Myanmar. Die Frage, ob die Menschen in Assam Tee tranken, bevor die Briten kamen, ist durch Berichte von lokalen Singpho-Stammesangehörigen positiv beantwortet – sie tranken tatsächlich Tee aus wilden Pflanzen, lange vor der britischen Plantagen-Ära.
Mehr dazu erfahren Sie in unserem Artikel ueber chinesische Teekultur. Einen ausfuehrlichen Ueberblick bietet unser Beitrag zu Jiaogulan Tee. Lesen Sie dazu auch unseren Ratgeber zu Yan Cha Felsentee.
Der wahre Ursprung: Ein gemeinsames Erbe Südostasiens
Die Wissenschaft hat das Bild komplexer gezeichnet: Tee stammt nicht aus einem Punkt, sondern aus einer Region – dem Dreieck Yunnan (China), Assam (Indien) und Myanmar (Burma). Hier wachsen die ältesten wilden Teepflanzen; hier sind die ältesten menschlichen Teetraditionen belegt. Die Frage „China oder Indien?" ist falsch gestellt – beide sind Teil einer gemeinsamen biologischen und kulturellen Ursprungsgeschichte. Die chinesische Kultivierung und Verfeinerung des Tees, die über Jahrtausende das globale Tee-Wissen aufgebaut hat, ist historisch unvergleichlich. Aber der Rohstoff selbst – die Pflanze Camellia sinensis – ist ein Kind Südostasiens, keine exklusive chinesische Erfindung. Dieses nuancierte Bild ehrt alle Kulturen, die den Tee geformt haben.
Häufig gestellte Fragen zum Ursprung des Tees
Stammen alle Tees von derselben Pflanze?
Ja – alle echten Tees (Schwarz, Grün, Weiß, Oolong, Pu-erh) stammen von Camellia sinensis. Die Varietäten sinensis und assamica sind die Hauptformen.
Was ist die älteste Teeregion der Welt?
Yunnan, China, gilt als das Zentrum der Biodiversität der Teepflanze. Hier wachsen die ältesten bekannten Teebäume.
Hat Japan eigene ursprüngliche Teepflanzen?
Nein – Tee wurde von chinesischen Mönchen (besonders Eisai im 12. Jahrhundert) nach Japan eingeführt. Alle japanischen Teepflanzen gehen auf chinesische Importe zurück.
Wann kam Tee nach Europa?
Die ersten Teelieferungen erreichten Portugal um 1560 (per Schiff), die Niederlande als erste Großhändler um 1610 und England in den 1650er Jahren.
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