Tee zubereiten funktioniert auf die immer selbe Art und Weise: Man erhitzt Wasser bis zur idealen Temperatur, überbrüht damit die Teeblätter und lässt alles für wenige Minuten ziehen. Unterschiede gibt es dabei nur in der Dosierung des jeweiligen Tees, in der exakten Idealtemperatur, in der Ziehdauer und im verwendeten Teegeschirr, wobei letzteres nicht wirklich den Geschmack beeinflusst. Doch es gibt tatsächlich auch kalten Tee und damit ist nicht gemeint, dass Tee ganz normal "gekocht" wird und anschließend abgekühlt oder ganz erkaltet getrunken wird. Es gibt tatsächlich gleich mehrere Methoden, Tee kalt anzusetzen und diese stammen keineswegs aus unserer westlichen Welt, wie manche vielleicht im ersten Moment vermuten werden. Nein, es ist in Japan durchaus üblich, einige der hochwertigsten Grünteesorten zumindest hin und wieder in ihrer kalten Version zu genießen. Eine Möglichkeit ist, die Teeblätter mit kaltem Wasser zu übergießen und so für mehrere Stunden, am besten über Nacht, in den Kühlschrank zu stellen. Nach 12 bis 14 Stunden erhält man einen herrlich erfrischenden Tee. Eine weitere Variante ist es, Eiswürfel direkt zu den Teeblättern zu geben und die noch sehr kalte Tasse zu genießen, sobald das Eis geschmolzen ist. Wichtig ist dabei, dass die Eiswürfel unbedingt aus weichem Wasser hergestellt wurden, also genau das Wasser, das man sonst auch für die "normale" Zubereitung verwenden würde. Wer die Ziehdauer dabei verlängern möchte, kann auch hier wieder den Tee in den Kühlschrank stellen. Prinzipiell kann man für solch eine eisige oder zumindest kalte Variante der Teezubereitung jeden Tee verwenden, mit dem man gerne einmal etwas experimentieren möchte. Dabei wird man dann ganz schnell feststellen, dass es so weit mehr Unterschiede gibt, als einfach nur die Temperatur. Denn diese ist entscheidend dafür verantwortlich, welche Inhaltsstoffe sich aus den Teeblättern lösen und wie schnell. Grüner Tee beispielsweise verliert bei einem kalten Ansatz seine bittere Note nahezu vollständig. Wer noch mehr experimentieren möchte, der gibt auch noch etwas von seinem Lieblingsfruchtsaft dazu. So schnell und einfach hat man einen herrlich fruchtigen und erfrischenden Eistee. Ganz ohne die sonst meist zugesetzten künstlichen Aromen und vor allem ohne die Unmengen an Zucker.

Fazit

Der Gedanke Tee kalt anzusetzen mag auf viele im ersten Moment doch recht irritierend wirken. Schließlich ist die Tasse Tee bei uns fast schon automatisch mit Bildern verknüpft, bei denen man sich beispielsweise gemütlich auf das Sofa kuschelt, ein schönes Buch liest und sich, vielleicht sogar noch bei schlechtem Wetter draußen, von einem herrlichen Tee Wärme und Geborgenheit schenken lässt. Und nun soll man sich seinen Tee aus dem Kühlschrank holen oder gar mit Eiswürfeln zubereiten? Doch der wahre Teeliebhaber wird sein Lieblingsgetränk selbstverständlich das ganze Jahr über trinken wollen. Und wer hat bei sommerlichen Temperaturen um die 30° und wärmer schon große Lust auf Heißgetränke? Davon abgesehen gibt es in der Geschichte des Tees mehr als genügend Beispiele dafür, dass man für Experimentierfreudigkeit und Neugierde auf Neues meist mit herrlichen neuen Geschmäckern und faszinierenden neuen Sorten belohnt wird. Warum also nicht einmal statt einer anderen Sorte zu probieren, einfach einen bekannten und beliebten Tee wählen und dessen Zubereitung verändern. So schafft es selbst ein Tee, den man bereits seit Jahren bestens zu kennen glaubt, einen mit einer völlig andersartigen Geschmackskomposition zu überraschen. Sonst dominierende Aromen sind plötzlich ganz zurückhaltend, andere werden überhaupt erst wahrgenommen. Sobald man sich an solch ein Experiment gewagt hat, merkt man schnell, dass kalt angesetzter Tee nichts mit "kaltem Tee", also mit stark abgekühltem Tee zu tun hat. Der Unterschied auf der Zunge beweist dies bereits beim ersten Schluck und einfacher und gesünder kann man sich keinen Eistee zubereiten. Der nächste heiße Sommertag kommt bestimmt. Bildnachweis: Eistee © B. Wylezich - Fotolia.com

Hintergrund und Kontext

Tee kalt aufgießen? — dieses Thema verdient eine genauere Betrachtung, denn es berührt wichtige Aspekte des Teegenusses, über die viele Teetrinker nur wenig wissen. Ob Anfänger oder erfahrener Teekenner: Hintergrundwissen bereichert das Teeerlebnis und hilft, bessere Entscheidungen beim Kauf und bei der Zubereitung zu treffen.

Die Welt des Tees ist komplex und vielschichtig. Von der Botanik der Teepflanze Camellia sinensis über die unterschiedlichen Verarbeitungsmethoden bis hin zu den kulturellen Traditionen rund um den Globus gibt es immer Neues zu entdecken. Fundiertes Wissen über Tee schärft die Sinne und vertieft den Genuss.

Wissenschaftliche Erkenntnisse

Wissenschaftliche Forschung hat in den letzten Jahrzehnten vieles bestätigt, was die traditionelle Teekunde seit Jahrhunderten lehrt. Moderne Analysemethoden ermöglichen es, die komplexe Chemie des Tees besser zu verstehen: Über 700 verschiedene Aromaverbindungen wurden bislang in Tee identifiziert — mehr als in den meisten anderen Lebensmitteln.

Die Teepflanze Camellia sinensis produziert eine Vielzahl bioaktiver Substanzen: Polyphenole, Aminosäuren, Koffein, Vitamine und Mineralstoffe. Das Zusammenspiel dieser Inhaltsstoffe bestimmt nicht nur den Geschmack, sondern auch die physiologischen Wirkungen des Tees. Die Forschung auf diesem Gebiet ist dynamisch und bringt regelmäßig neue Erkenntnisse hervor.

Praktische Anwendung

Theorie ist wichtig, aber letztendlich zählt die praktische Umsetzung. Hier sind einige bewährte Grundregeln, die für nahezu alle Teesorten gelten: Verwenden Sie stets frisches, gefiltertes Wasser — Kalk und Chlor können den Geschmack erheblich beeinträchtigen. Die Wasserqualität macht einen deutlich größeren Unterschied als viele Teetrinker vermuten.

Investieren Sie in eine gute Teekanne aus Porzellan, Glas oder Gusseisen. Jedes Material hat seine Vorzüge: Porzellan ist neutral und eignet sich für alle Teesorten, Glas ermöglicht die optische Bewertung des Aufgusses, und Gusseisen hält die Temperatur besonders lange. Vermeiden Sie Plastik, da es Geschmacksstoffe aufnehmen und abgeben kann.

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Zubereitung Schritt für Schritt

Die perfekte Tasse beginnt mit der Wahl des richtigen Wassers. Verwenden Sie nach Möglichkeit gefiltertes Leitungswasser oder stilles Mineralwasser mit einem niedrigen Kalkgehalt. Hartes Wasser kann den Geschmack von Tee erheblich beeinträchtigen und einen unangenehmen Film auf der Oberfläche bilden. Die optimale Wasserhärte für Tee liegt zwischen 4 und 8 Grad deutscher Härte.

Wärmen Sie Ihre Teekanne und Tassen vor, indem Sie sie kurz mit heißem Wasser ausspülen. Dieser einfache Schritt sorgt dafür, dass das Aufgusswasser seine optimale Temperatur behält und der Tee gleichmäßig extrahiert wird. Messen Sie die Teemenge sorgfältig ab: Pro 200 ml Wasser empfehlen sich je nach Teesorte 2 bis 5 Gramm Teeblätter. Eine Küchenwaage liefert dabei genauere Ergebnisse als das Augenmaß.

Gießen Sie das Wasser langsam über die Teeblätter und lassen Sie den Aufguss in Ruhe ziehen. Widerstehen Sie der Versuchung, den Teebeutel oder das Teesieb ständig zu bewegen — dies kann unerwünschte Bitterstoffe lösen. Nach der optimalen Ziehzeit entfernen Sie die Teeblätter sofort, um ein Überziehen zu vermeiden. Die Ziehzeit ist der wichtigste Faktor für den Geschmack — schon 30 Sekunden zu viel können einen milden Tee herb und bitter machen.

Kulturelle Bedeutung und Tradition

kalt aufgießen steht in einer langen Tradition, die verschiedene Kulturen und Epochen miteinander verbindet. Tee ist seit Jahrtausenden nicht nur ein Getränk, sondern ein Kulturgut, das Menschen zusammenbringt und zum Innehalten einlädt. In einer Zeit, die von Hektik und Schnelllebigkeit geprägt ist, bietet die Teekultur einen wertvollen Gegenpol.

In der traditionellen chinesischen Kultur steht Tee für die Harmonie zwischen Mensch und Natur. Die japanische Teezeremonie erhebt die Teezubereitung zur meditativen Kunstform. In Großbritannien ist der Afternoon Tea ein gesellschaftliches Ritual, und in Ostfriesland gehört die Teetied zum kulturellen Erbe. Auch in der arabischen Welt ist die Teezubereitung ein Akt der Gastfreundschaft und des Respekts.

Moderne Teekultur verbindet diese Traditionen mit zeitgenössischen Trends. Tee-Sommeliers, spezialisierte Teehäuser und die wachsende Bewegung für bewussten Konsum machen Tee zu einem Thema, das Menschen unterschiedlichster Hintergründe begeistert. Die Beschäftigung mit Tee fördert Achtsamkeit, Geduld und die Wertschätzung für Qualität — Eigenschaften, die in unserer schnelllebigen Zeit wichtiger denn je sind.

Qualität erkennen und richtig einkaufen

Die Qualität von Tee zu beurteilen, erfordert etwas Übung und Wissen. Ein wichtiger erster Anhaltspunkt ist das Erscheinungsbild der trockenen Blätter: Hochwertige Tees bestehen aus ganzen oder großen Blattstücken mit einheitlicher Farbe und Form. Gebrochene, staubige oder ungleichmäßige Blätter deuten auf niedrigere Qualität hin.

Der Duft der trockenen Blätter sollte frisch, klar und einladend sein — niemals muffig, staubig oder künstlich. Beim Aufguss achten Sie auf eine klare, leuchtende Tassenfarbe. Trüber oder matter Tee kann auf Qualitätsmängel oder falsche Lagerung hindeuten. Der Geschmack sollte vielschichtig sein und verschiedene Noten offenbaren — Tiefe und Komplexität sind Zeichen hoher Qualität.

Kaufen Sie Tee vorzugsweise im Fachhandel, wo Sie kompetent beraten werden und die Möglichkeit haben, verschiedene Sorten zu probieren. Online-Teeshops bieten oft eine größere Auswahl und detaillierte Beschreibungen. Achten Sie auf Bio-Zertifizierungen und Fair-Trade-Siegel, die Qualitätsstandards und nachhaltige Produktion gewährleisten. Kaufen Sie lieber kleine Mengen und verbrauchen Sie den Tee innerhalb weniger Monate — Frische ist bei Tee entscheidend.

Richtige Lagerung für optimales Aroma

Die richtige Lagerung ist entscheidend dafür, dass Ihr Tee sein volles Aroma bewahrt. Die vier größten Feinde des Tees sind Licht, Luft, Feuchtigkeit und Fremdgerüche. Bewahren Sie Tee daher stets in luftdichten, lichtundurchlässigen Behältern auf — ideal sind Dosen aus Zinn, Keramik oder dunklem Glas.

Vermeiden Sie die Aufbewahrung in der Nähe von stark riechenden Lebensmitteln wie Gewürzen, Kaffee oder Knoblauch, da Tee fremde Gerüche leicht aufnimmt. Ein kühler, trockener Ort mit konstanter Temperatur — etwa ein Küchenschrank abseits von Herd und Spüle — ist der ideale Lagerplatz. Im Kühlschrank sollte Tee nur in absolut luftdichten Behältern gelagert werden, um Kondenswasser zu vermeiden.

Die Haltbarkeit variiert je nach Teesorte: Grüner und weißer Tee sollten innerhalb von 6 bis 12 Monaten verbraucht werden, da sie empfindlicher auf Oxidation reagieren. Schwarzer Tee und Oolong halten bei richtiger Lagerung 1 bis 2 Jahre. Pu-Erh Tee ist eine Ausnahme — er kann wie guter Wein über Jahre oder sogar Jahrzehnte reifen und an Komplexität gewinnen. Kräuter- und Früchtetee bleiben bei sachgemäßer Lagerung 12 bis 24 Monate aromatisch.