Wie der Tai Ping Hou Kui zu seinem Namen kam

Wie der Tai Ping Hou Kui zu seinem Namen kam

Keine Frage, bereits auf den ersten Blick weiß man, dass man einen ganz besonderen Tee vor sich hat, wenn man den Hou Kui betrachtet. Der Monkey King oder Affenkönig, wie der Tee häufig übersetzt auch genannt wird, besteht aus langen, großen Teeblättern, die gerne stolze 7 bis 15 cm lang sein können. Außerdem sticht einem sofort die saftig grüne Farbe ins Auge. Ganz klar, dass solch ein besonderer Tee regelmäßig auf den Top 10 Listen der besten Tees Chinas zu finden ist. Und fast genauso selbstverständlich ist es wohl, dass sich um die Entstehung dieses Tees und seines Namens eine Legende rankt, die bis heute erzählt wird.

Dieser Sage nach, begann die Geschichte dieses Tees folgendermaßen: In den Bergen des Huangshan Gebirges lebten sehr viele Affen. Eines Tages war plötzlich ein kleiner Affe verschwunden. Sein Vater machte sich verzweifelt auf die Suche nach seinem Sohn. Voller Sorge merkte er nicht, wie weit er lief und wie anstrengend das alles für ihn war. Irgendwann war er am Ende seiner körperlichen Kräfte und die Angst um sein Kind tat ihr übriges. Völlig erschöpft brach der Affenvater zusammen und starb.

Kurze Zeit später fand ein armer, obdachloser Bettler den Affen. Der Mann war in den Bergen auf der Suche nach Samen und Beeren, die er essen könnte. Er nahm den leblosen Körper, stellte fest, dass jede Hilfe zu spät kam und beschloss, den armen Vater wenigstens würdevoll zu begraben, anstatt ihn am Wegesrand verwesen zu lassen. Doch auch, als er mit dem Grab fertig war, tat ihm der Affe unendlich leid. So fasste er den Entschluss, an diesem Tag lieber zu hungern und mit den Teesamen, die er gesammelt hatte, lieber die letzte Ruhestätte des Affen zu verschönern.

Der Affe und sein Schicksal waren dem armen Mann stets im Gedächtnis geblieben. Nach einem Jahr kehrte er an die Stelle zurück um zu sehen, ob und wie die Pflanzen aufgegangen waren. Zu seiner Freude stellte er fest, dass bereits nach so kurzer Zeit, ganz herrliche und wunderbare Teesträucher auf dem Grab des Affen wuchsen.

Plötzlich war ihm, als würde er die Stimme des Affen hören: “Diese Teesträucher sind mein Geschenk an dich. Kümmere dich um sie und du wirst nie wieder Hunger leiden!” Da nannte der Bettler den Ort Hougang, Affenberg und den Tee, den er aus den Blättern dieser Pflanzen zubereitete Houcha, also Affentee. Da der Tee aber so überaus köstlich und wohlschmeckend war, wurde er schon bald in Hou Kui, was so viel bedeutet wie Affenkönig, umbenannt. Heute wird er häufig mit dem Zusatz Tai Ping verkauft. Sicher hat solch eine Teespezialität schnell Nachahmer gefunden. Um somit Missverständnissen vorzubeugen, wird durch solche Namensergänzungen gleichzeitig auch noch der Herkunftsort, bzw. die -region benannt.

Legende oder Wahrheit?

Ob der Affe tatsächlich auf der Suche nach seinem Sohn war, lässt sich sicher nicht feststellen. Dazu hätte schon jemand als Beobachter im Rudel anwesend sein müssen um aus dem Verhalten der Herde und des betroffenen Tieres entsprechende Schlüsse zu ziehen.

Dass ein armer Bettler im Wald nach Essbarem sucht und dabei auf den leblosen Körper eines verstorbene Affen stößt, ist dagegen durchaus vorstellbar. Und dass er das Tier aus Mitgefühl beerdigt und das Grab mit Pflanzen schmücken will, ebenfalls. Aber würde jemand tatsächlich sein letztes Essen dafür opfern? Noch dazu, wenn er ohnehin oft genug Hunger leiden muss?

Vielleicht war der Mann ja auch ein Mönch, oder zumindest jemand, der oft meditierte und dem in seiner Lebensphilosophie alle Lebewesen viel bedeuteten, der zwischen Mensch und Tier keinen Unterschied machen und auch im Tod Würde und Respekt bewahren wollte. Und die Stimme des Affen, die zu ihm sprach? Das war vielleicht mehr eine Art “innere Stimme”, ein Geistesblitz oder etwas in der Art.

Fazit

Die Geschichte des Affenkönigs ist sicher einer der traurigsten Mythen, die sich um einen Tee ranken. Dennoch ist auch hier die Lehre, die man wohl daraus ziehen kann: Sei selbstlos und habe Respekt vor jedem Lebewesen, egal, ob Mensch oder Tier, ob tot oder lebendig. Wenn du bereit bist, das letzte zu geben, was du hast, wirst du belohnt werden.

In einer Zeit, in der scheinbar nur Erfolg hat, wer genügend Ellenbogen und Egoismus beweist, eine besonders schöne Idee und Vorstellung. Umso mehr, wenn man auch noch bei einer herrlichen Tasse Tee darüber nachdenken kann.

 

Bildnachweis: Tai Ping Hou Kui © Sandra Cunningham – Fotolia.com

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