Muss es wirklich weiches Wasser sein, das zum Teekochen verwendet wird?

Muss es wirklich weiches Wasser sein, das zum Teekochen verwendet wird?

Immer wieder hört und liest man, vor allem bei besonders hochwertigem Tee, das zur Zubereitung unbedingt weiches Wasser verwendet werden sollte. Auch bei Wasserfiltern wird immer wieder eindrucksvoll aufgelistet, welche Merkmale von hartem Wasser zu einer verminderten Qualität führen und den Teegenuss mindern. Aber ist diese Empfehlung wirklich begründet? Oder sind die Geschmacksunterschiede so minimal und kaum erkennbar, dass es sich doch mehr um eine reine Werbestrategie handelt?

Argument: Durch hartes Wasser wird der Aufguss dunkler und es bildet sich ein Film auf der Tasse.

Tatsache: Die Helligkeit des Aufgusses und die Tatsache, ob sich ein Film an der Oberfläche des Tees bildet oder nicht, ist nicht in erster Linie von der Konzentration der Kalkbildenden Ionen im Wasser abhängig. Vielmehr ist es der pH-Wert des Wassers, der sowohl Färbung als auch Filmbildung entscheidend beeinflusst. Tee, der mit Wasser mit einem leicht sauren pH zubereitet wird, ist grundsätzlich heller und zeigt auch keinen Film.
Allerdings sind es genau die kalkbildenden Kalzium- und Magnesium-Ionen, die Wasser leicht basisch werden lassen. Weiches Wasser hat also immer einen niedrigeren pH, als hartes.

Argument: Auch der Geschmack des Tees verändert sich mit der Wasserhärte.

Tatsache: Selbst bei Wasser pur gibt es Unterschiede im Geschmack. Testet man einmal bewusst verschiedene Mineralwasser und Leitungswasser, eventuell sogar gefiltert und ungefiltert, kann man nicht unbedingt die Marke erkennen, man wird aber ganz sich Abweichungen im Geschmack registrieren.
Nachvollziehbar, dass sich solche Unterschiede auch bei Tee ergeben, je nachdem mit welchem Wasser er zubereitet wurde. Die im Wasser gelösten Mineralien reagieren mit den Inhaltsstoffen des Tees. Kalzium- und Magnesium-Ionen, die den Härtegrad des Wassers bestimmen, binden sich an die Geschmacksbildenden Säuren des Tees und behindern dadurch ihre Entfaltung. Hartes Wasser blockiert quasi die Geschmacks- und Aromastoffe des Tees.

Welches Wasser ist perfekt für guten Tee?

Sollte man sich jetzt also tatsächlich einen Wasserfilter zulegen, oder wäre solch eine Anschaffung doch übertrieben und dient in erster Linie dem Hersteller? Welche Alternativen gibt es sonst?

Einige denken, dass Mineralwasser die perfekte Qualität für besonders guten Tee hat. Genau das Gegenteil ist jedoch der Fall. Mineralwässer sind meist sehr reich an Kalzium. Umso mehr, wenn sie auch noch mit Kohlensäure versetzt sind. Dies wird schon dadurch deutlich, dass bereits während des Kochens sichtbar Kalkstückchen ausflocken. Es wäre also die denkbar schlechteste Alternative, Tee zukünftig mit Mineralwasser zuzubereiten.

Zahlreiche historische Dokumente, vor allem aus China, empfehlen geschmolzenen Schnee oder Regenwasser zum Teekochen. Auch heute noch gilt es als besonders romantisch und traditionsbewusst, Schnee zu schmelzen und daraus Tee herzustellen. Hierzulande würde aber wohl sicher niemand auf die Idee kommen, Schnee- oder Regenwasser zu trinken oder damit irgendetwas zu kochen. Und das wohl aus gutem Grund.

Die beste Variante ist tatsächlich Leitungswasser, das mit einem Wasserfilter aufbereitet wurde. Mittels eines sogenannten Wasserstoff-Ionen-Austauschers wird ein Großteil der Kalzium- und Magnesium-Ionen aus dem Wasser gefiltert und gegen Wasserstoff-Ionen ausgetauscht. Bei der Verwendung eines solchen Wasserfilters sollte man allerdings aus hygienischen Gründen unbedingt darauf achten, regelmäßig alle vier Wochen die Kartusche auszuwechseln.

Fazit

Natürlich hat nicht jeder die zarten Geschmacksknospen eines professionellen Feinschmeckers. Aber ein Wasserfilter kostet nicht die Welt. Die Kosten für die Wechselkartuschen sind ebenfalls überschaubar und schon allein die Tatsache, dass auch Geräte wie Wasserkocher und Kaffeemaschine von weicherem Wasser profitieren und uns diese Fürsorge mit einer längeren Lebensdauer danken, rechtfertigt diese Investition. Und wer weiß, vielleicht stellt man dann doch fest, dass der Tee nun “irgendwie anders” schmeckt, dass sowohl Geschmack als auch Aroma tatsächlich noch mehr zu bieten haben, als sie bisher zeigen konnten.

Ein Getränk wie Tee, das zu mehr als 96% aus Wasser besteht und in solch großen Mengen konsumiert wird, sollte uns das Wert sein.

 

Bildnachweis: Weiches oder hartes Wasser zum Teekochen? © eAlisa – Fotolia.com

8 Comments

  • Antworten Januar 16, 2012

    Bubu

    Wie steht es mit Destiliertem Wasser oder einer Mischung aus 1/4 Leitungswasser und 3/4 Destiliertes Wasser?

    • Antworten Januar 31, 2012

      Christian

      Hallo,

      sorry für die verspätete Antwort, aber irgendwie hab ich diesen Kommentar übersehen.

      Destilliertes Wasser eignet sich auf keinen Fall zur Teezubereitung. Die normaler Weise im Wasser enthaltenen Mineralien sind zwingend notwendig, dass der Tee sein volles Aroma entfalten kann. Mit destilliertem Wasser schmeckt er einfach nur abscheulich, völlig egal welche Art oder Sorte.

      Grüße
      Christian

      • Antworten Januar 21, 2014

        JoeJoe

        Also die Mischmethode mit demineralisiertem Wasser wäre aber doch denkbar. Dadurch könnte man die Ionenkonzentrationen beliebig auf einen gewünschten Wert verdünnen. Das einzige Problem ist, dass dadurch das Wasser saurer wird, weil der Ionentauscher für demineralisiertes Wasser Carbonationen gegen H+ – Ionen tauscht und so den pH-Wert erhöht. Das Problem hat man aber auch mit dem Wasserfilter.

        Wirklich destilliertes Wasser dagegen hat diesen Nachteil nicht. Wenn man es zum Mischen verwendet, das Gemisch mit Sauerstoff aufsprudelt und das Gemisch dann kocht sollte man in der Lage sein, das perfekte Wasser zu zuzubereiten.

  • Antworten November 9, 2012

    Erika Gauper

    Ich habe sehr gute Erfahrung mit dem stillen Mineralwasser von Lidl gemacht und zwar:

    Saskia
    Quelle. In einer grünen Flasche.
    Kirkel

    Dieses Wasser ist sehr weich und ich finde, es ist ein ideales Teewasser. Früher hatte ich Zugriff auf ” Valon” ebenfalls bei Lidl erhältlich, was ich noch mehr bevorzugt habe. Das hat Lidl aber nur mehr in ganz bestimmten Filialen und dann nur in kleinen Flaschen. Begründung: Der Durchfluß der Quelle ist zu langsam.
    Im Sommer wäre der Bedarf nicht zu decken.

  • Antworten Februar 16, 2013

    Tobias K.

    Also ich kann keinen großen Unterschied feststellen!

    Es ist dabei auf Dauer durchaus ein Kostenfaktor, die Kartuschen vom Wasserfilter regelmäßig neu zu kaufen!
    Wieso soll es einem das automatisch “wert” sein?
    Für das Geld kann man durchaus ein paar hundert Gramm Tee mehr pro Jahr kaufen, ein paar neue Sorten also oder mehr Vielfalt in seinen Teegenuss bringen.

  • Antworten März 22, 2013

    Müslifresser

    Tee enthält ja viele Säuren (Grüntee z.b. 10x so viel Gallussäure wie Schwarztee) Dementsprechend hat Tee einen eher niedrigen PH-Wert.
    Etwas Hartes Wasser (Süddeutschland PH-Wert des Wassers: 7,5-8,5) sorgt dafür, daß der Tee einen ausgeglicheneren PH-Wert (in Richtung 7) hat.
    Da ist es gerade bei täglichem Teekonsum doch sinnvoll ein Getränk mit ausgeglichenem PH-Wert zu sich zu nehmen. Schließlich schadet die Säure unserem Zahnschmelz. Was meint ihr dazu?

  • Antworten Januar 28, 2014

    Teeliebhaber

    Ich denke, dass sich die Frage nach der Wasserhärte erst wirklich dann stellt, wenn es sich um qualitativ hochwertige Tees handelt. Keine Frage, dass sich weiches Wasser auf den Geschmack auswirkt. Aber es gibt so viele “Teetrinker”, die zum Teebeutel greifen und den Tee nicht lose ziehen lassen. Und gerade in dem Fall dürfte sich das geschmacklich nicht relevant auswirken. Erst recht nicht, wenn es sich um aromaversetzte Tee(beutel)sorten handelt. Da schmeckt eh nur das Aroma raus…

  • Antworten Juli 23, 2014

    Biologe/Gewässerökologe

    Wir wohnen bei München. Wir haben eines härtesten Leitungswässer Deutschlands. Tee und Kaffee verlieren stark an Aroma. Verschiede Bestandteile des Leitungswassers binden/verändern verschiedene Bestandteile von Tee und Kaffee. Ein Kalkfilter im Kaffeeautomat hält max 2 Wochen. Das sind mehr als 200€/Jahr. Weiches Mineralwasser zu kaufen ist deutlich preiswerter.
    Wir trinken viel Leitungswasser pur, aber für Tee und Kaffee finden wir unser Leitungswasser ungeeignet.
    Ich rate übrigens auch dazu das eigene Leitungswasser AUS DEM HAHN (und nicht an der Quelle oder im Speicher) testen zu lassen (mehrere Stichproben zu verschieden Zeiten). Leitungen belasten das Wasser in der Regel, in seltenen Fällen auch stark (manche Altbauten, belastete Stadtleitungen). Unser Mangfallwasser hat hervorragende Qualität an den behördlichen Probeentnahmestellen; was in den einzelnen Haushalten aus den Hähnen kommt ist schon deutlich unterschiedlicher. Keine Panik, wirklich schlechte Qualität ist äußerst selten.

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